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Musa International Art Space


Contemporary Art Curator Magazine

http://www.contemporaryartcuratormagazine.com/home-2/katharina-goldyn

Contemporary Art Curator Artist Directory

http://www.contemporaryartcurator.com/katharina-goldyn/


Segnalati, Berlin
2017


M.A.D. Gallery Milano
2017


WE CONTEMPORARY, Palazoo Velli Expo, Rom
2017


PREISTRÄGER Prämierter Werk - Kreuzigung IN ARTEDITION 2018, CASINO INNSBRUCK
2017


Biennale Mediterraneo Palermo, Vip Art Zone Shopping, Palermo, Italy
2017


Florence Biennale
2017


Art International Contemporary Magazine, 4/2017
2017


Art International Contemporary Magazine, 3/2017
2017


THE BEST CONTEMPORARY ARTIST 2017
2017


Ich glaube, dass der Moment naht, in dem es möglich ist, durch aktive paranoische Gedanken die Konfusion zu systematisieren und zur totalen Diskreditierung der Welt der Realität beizutragen. (Salvador Dali)

Eine perspektivische Suche, die aus Paralleluniversen kommt, in denen wir aufgerufen sind, zur selben Zeit zu leben, in einem durch das Träumen und in einem durch das Gestalten. Was, wenn der Traum nichts als die Wirklichkeit eines anderen Universums ist, genauso real und nahe wie auf schreckliche Weise möglich wie das erste? Ein Universum, das das reflektiert, in dem wir zu leben glauben. Der Schlüssel zu den Toren der Wahrnehmung scheint in den Händen von Katharina Goldyn-Vogl zu liegen, einer wandlungsfähigen, tief von Dadaismus und Surrealismus beeinflussten Künstlerin.

„Cherchez la femme: Supper with Female Apostles” findet seinen offenen Raum schwebend zwischen den Theorien zweier Meister wie Immanuel Kant und Isaac Newton: Während Kant im Widerspruch zu Newton behauptet, dass das Universum sich lediglich durch die Naturgesetze ausdrückt, ohne Rücksicht auf die Intervention eines göttlichen Architekten.
Dennoch betrachten weder Newton noch Kant den Wunsch, den Traum zu kreieren und zu realisieren – was für den Künstler bedeutet, Kunst zu kreieren.
Es scheint uns, dass Goldyn der von Kant vertretenen idealistischen Philosophie näher ist. In diesem Kunstwerk vertritt sie gerade das richtige Prinzip des transzendenten Wesens des Wissens, das in die Grenzen der möglichen Erfahrung hineinreicht und dennoch unabhängige Formen enthüllt und so die Erfahrung selbst bedingt.
Die Notwendigkeit der absoluten, inhärenten menschlichen Natur führt zur Überwindung der Grenzen menschlichen Wissens, was notwendigerweise zur Illusion führt.
Goldyn führt uns anmutig in das Paralleluniversum, wo ihr kreativer Geist liegt, genau wie Charon es mit Dante tat, als er den Dichter auf die andere Seite des Acheron brachte. Sie lässt uns in den Traum gelangen, der heutzutage von den meisten wichtigen Kunstgalerien weltweit erfüllt wird.
Goldyn verband mit „Cherchez la femme: Supper with Female Apostles“ Malerei und Skulptur mit Mode und Design, indem sie eine beeindruckende Darstellung aus einem akkuraten und tiefen Konzept realisierte.
Ein zeitgenössisches „Wenn“, platziert in der Mitte des Letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci, komplett umgebaut aus einem psychedelischen Traum – ähnlich dem, der von der Grinsekatze aus Alice im Wunderland beschrieben wird, dargestellt in einer auf den Kopf gestellten Welt von Merkwürdigkeiten und Wundern. Die männliche Überlegenheit unserer Gesellschaft seit ihrem Anfang wird umgedreht und nimmt ein weibliches Gesicht an.
Und hier ist die Frage: In welcher Realität würden wir leben, wenn der Weg auf einem Schachbrett beginnen und mit einem Schachmatt der Königin über den König enden würde?


Circle Foundation for the Arts
2017


circle-arts.com/goldyn


Internationale Kunst Heute
2017

www.internationalekunstheute2017.de


Hans-Peter Söder
München 2015
Katharina Goldyns Elementare Dualitäten: Das Tableau vivant als neue Kunstform


Prof. Zdzisław Nitka
Akademie der Bildenden Künste, Breslau 2011
Abteilung Malerei und Bildhauerei

Als ich im März dieses Jahres an unserer Akademie die Dokumentation zur Beurteilung der Doktorarbeit von Frau Katharina Hartmann - Goldyn erhielt, war das erste, was ich tat, den riesigen, mit dicken Ordnern und theoretischen Arbeiten gefüllten Karton zu wiegen. Das Gewicht der Dokumentation bestätigte meine Neugier und Bewunderung des schöpferischen Fleißes und der pädagogischen Arbeit sowie der Gewissenhaftigkeit, mit der sich die Kandidatin an die Durchführung ihres Promotionsverfahrens gemacht hat. Das Ergebnis waren über 13,5 kg! Man kann sagen, dass wir es mit einem Schwergewicht – wie im Sport – zu tun haben. Als ich die Arbeiten von Frau Goldyn Seite für Seite durchsah (Bilder, Zeichnungen, Objekte, Fotos von Ausstellungen und Vernissagen, etc.), stellte ich fest, dass ich eine nicht unterwürfige, sondern mutige und unglaublich ehrliche Kunst beobachtete.
Diese Kunst sagt über ihren Urheber aus, dass künstlerische Arbeit für ihn eine Freude ist, ein Spiel und ein spontaner Akt der Schöpfung.

Get Stankiewicz sagte mir einmal, dass es nicht gut ist, wenn der Künstler einen so genannten „Arschkrampf“ hat [~gehetzt ist]. Ich denke, diese treffende Maxime sollte bei jedem Künstler im Atelier hängen. Selbstverständlich gibt es verschiedene Arten der Schöpfung – sie kann mehr oder weniger spontan, präzis, ziseliert sein oder hat absichtlich den Eindruck zu erwecken, dass sie nicht akzeptiert wird. Es gibt auch eine engagierte, ideelle und kämpferische Kunst. Es gibt ebenfalls eine reine – hedonistische Kunst. Jeder Künstler verwendet eine für sich entdeckte und entwickelte Form. Sicher ist, dass die Ehrlichkeit in der Kunst wichtig ist – so wie im Blues. Ein Musiker sagte einmal: „Wenn du nicht ehrlich bist, dann existierst du schon am Anfang nicht.“ Ich kann Ihnen allen versichern, dass Frau Goldyn ihre Arbeit ernst nimmt und ohne diese … na ja – Bezeichnung von Get.

Ich nenne die Kunst Goldyns ehrlich und frisch, sie selbst bezeichnet sie als utopisch – sie hat nämlich ihre Dissertation folgendermaßen betitelt: „Utopie in der Malerei – Gesellschaftliche Utopie als Inspiration in der Malerei“.
Im Grunde liegen diese beiden Definitionen sehr nahe beieinander, trotzdem präzisiert Frau Goldyn in ihrer theoretischen Doktorarbeit die Bedeutung dieses Terminus „Utopie“. Im 16. Jahrhundert hat Thomas More, genannt Morus, das Wort „Utopie“ erfunden und ins Leben gerufen – in negativer Bedeutung, d.h. als Arbeit ohne Zweck, als Idee, die auf Misserfolg angewiesen ist, als Phantasterei. Im 20. Jahrhundert lebte dieser Terminus jedoch wieder auf und wurde populär; seine Bedeutung veränderte sich vollkommen. Seit dieser Zeit existiert die Utopie als Maxime für Künstler, die nach Moderne streben, alles Alte ablehnen und sich wünschen, das Alte „auf der anderen Seite des Flusses“ zu lassen. Dies erinnert selbstverständlich an das Manifest „Die Brücke“. Schon vor hundert Jahren sagte der Philosoph aus Breslau - Ernst Cassirer - (in Goldyns Arbeit zitiert): „Utopie ist nicht das Porträt des realen Lebens und nicht der Ordnung der politischen und gesellschaftlichen Realität. Sie existiert in keinem Moment der Zeit und in keinem Punkt des Raumes. Das ist NIRGENDS. Trotzdem hat in der Entwicklung der Neuzeit solches Zeichen NIRGENDS die Kraft bewiesen und die Probe bestanden.“

Frau Goldyn gesteht, dass Künstler wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Francisco Clemente einen großen Einfluss auf die Gestaltung ihrer künstlerischen Persönlichkeit hatten – Beuys z.B. wegen seiner Sozialkunst und seiner ständigen Bemühungen um die Bildung der Gesellschaft und um das Bewusstsein für Ökologie zu wecken. Ein engagierter Künstler zu sein hat für Frau Goldyn, so wie für Beuys, hohe Priorität. Sie unterrichtet Kunst, trägt zur Integration des Künstlermilieus bei, näher steht ihr die Angelegenheit der geistig kranken Menschen, und sie kritisiert das Verhalten der Politiker. Anselm Kiefer ist für Frau Goldyn auch ein sozialkritischer Künstler – er erinnert die Deutschen immer wieder an ihre unrühmliche Geschichte. Francisco Clemente, der Maler der italienischen ‘Arte Cifra‘, machte ihr wiederum bewusst, was es bedeutet, sich mit der Kunst zu paaren – also eine unbeschränkte Freiheit aus dem Erwerb der Kultur zu nutzen. Sie realisiert ausgezeichnet den Unterricht der von ihr geliebten Künstler, fügt aber zu diesem Unterricht individuelle Werte und ihre eigene Welt hinzu – in sehr persönlicher, autobiografischer, nachdenklicher und träumerischer Weise, aber in aggressiver Form mit Farbe zugedeckt – mit Dissonanzen der Kompositionen und mit Schwung verwendeten räumlichen Elementen, die aus Zweigen, Plastikspielzeugen, Gummihandschuhen, BH’s und leuchtenden Glühbirnen bestehen. Auf den Bildern stellt sie meistens ihre eigene Person oder ihren Kopf zentral, axial, monumental dar, oft als groteske oder märchenhafte Darstellung - als Waldfee oder Geist? Es gibt auch Bilder, auf denen die Komposition sehr stark ausgebaut ist oder die sexuellen Szenen zweier abstrakter Personen, die nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zuzuordnen sind, von Frau Goldyn dargestellt werden. So sind die Bilder Goldyns. Ich nenne hier einige Titel: „Waldimpression“ (2010), „Das Gebet an die Göttin“ (2009/2010), Zyklus unter dem Titel „Fünf Wünsche für Schamanin“ (2010), „Selbstporträt“ (2009/2010) oder „Neuer Mensch“ (2010).

Ich freue mich immer über solches Schaffen wie von Frau Goldyn. Ihr Schaffen gehört zum Gebiet der spontanen Kunst des 20. Jahrhunderts, zu den Künstlern wie Pollock, Dubuffet, Niki de Saint-Phalle, der Gruppe COBRA und Art Brut. Frau Goldyn führt das Werk dieser Künstler fort und ist fast eine einsame Insel zwischen einer Menge Tendenzen der heutigen Kunst - eine „Gute Utopie“. In unserer Zeit der Dominanz der elektronischen Plastik oder der Massenfiguration nach Tuymans, gebührt der Malerin Goldyn deshalb besondere Bewunderung und echte Anerkennung.


Prof. Dr. Andrzej Zdanowicz
Dekan der Abteilung Malerei und Bildhauerei,
Akademie der Bildenden Künste, Poznan, Polen

In ihren Werken baut Frau Goldyn auf der Erfahrung der Kunst der 80er und 90er Jahre sowie des frühen 21. Jahrhunderts auf. Sie verwendet die Expression der Neuen Wilden, nutzt Erfahrungen der „Neo-Gegenständler“ – so werden von Grzegorz Dziamski die Künstler genannt, die keine neuen Formen erfinden, sondern sich fertiger Gegenstände bedienen, indem sie die Künstlichkeit des Kunstwerkes und den Glauben an die Entdeckung neuer Form durch deren Anwendung in neuen Konstellationen zu einem vereinen.
Der Tod der Kunst, verkündet von den Kritikern in den 60er und 70er Jahren, bedeutete eigentlich den Tod der Avantgarde, als es zur “Verschiebung der Avantgarde zur Utopie“ kam, so Goldyn, welche die Klarheit der Form verloren, ihre eigenen Grenzen gebrochen und sich auf alle Lebensbereiche ausgebreitet hat. Alles habe somit grundsätzlich Kunst sein können, sagte in einem der Interviews Jerzy Ludwiński.

Die Künstlerin, die jedoch im Geiste der Transavantgarde schafft, schöpft absichtlich in ihren Werken aus dem Repertoire der avantgardischen Kunstmittel wie z.B.  Durchschneiden der Leinwand, was einerseits den Eindruck der Verletzung zu erwecken hat, andererseits sollte es dem “Erleuchten“ mit dem künstlichen Arbeitslicht dienen. Die Methode des Beleuchtens von Realisationen in den Kunstwerken mit Figuren erzeugt einen interessanten philosophischen Effekt, durch die Lichtemanation kommt nämlich die Göttlichkeit der Figur gewissermaßen zum Ausdruck. Die Werke nehmen dann einen sogar theatralischen Charakter an. Ein ähnliches Verfahren hat der italienische Künstler Fontana angewandt. Sie nutzt das Repertoire der Ready-mades von Duchamp, näher steht sie jedoch der Philosophie von J. Bueys, der einst sagte, ich zitiere es nach der Autorin der Dissertation: “Duchamps Schweigen ist überschätzt.“ Übrigens, eine interessante Bemerkung zum Thema “Duchamp“ hat in einem Interview der Besitzer des Titels “Doctor Honoris Causa“ dieser Universität – Balthaus – geäußert. Auf die Frage eines Journalisten, was er von Duchamp als Künstler hält, antwortete er: “Ein sehr begabter Schachist.“

Um auf die künstlerischen Erfahrungen der Autorin der Doktorarbeit zurückzukommen, wäre die Freiheit zu betonen, mit der sie sich im breiten Repertoire der Ausdrucksmittel bewegt. In ihrer schöpferischen Methode greift sie auf Matter Painting und Action Painting zurück und weist auf dessen relevante Eigenschaft, nämlich den schöpferischen Prozess, auf. Die Kontinuität des Schöpfungsaktes ist für sie fast mit dem Leben identisch. Sacrum und Profanun scheinen darin zu einer Einheit zu verschmelzen. Die Artistin nennt hier als Beispiel Jackson Pollock, der diese schöpferische Methode angewandt hat. Interessanterweise hat  seine Schaffensart keine Nachfolger in der Kunst gefunden. Denn wie kann man noch die Farbe schütten? Surrealismus und Dada werden jedoch bis zum heutigen Tag fortgesetzt, was auch für Frau Goldyn als Bezugspunkt gilt. Ihr 7-jähriger Aufenthalt in der Abgeschiedenheit hat die für ihr Schaffen charakteristische Eigenschaft, nämlich die Spontanität in der Anwendung des Repertoires von Mitteln der westeuropäischen Malerei, nicht getötet. Man kann vermuten, dass er dazu diente, eigene Akkus aufzuladen. Die Lust, den geistigen Aspekt des Kunstwerkes wahrzunehmen, durchdringt jedoch in den letzten Arbeiten das Meer der Materie. Das Bild “Fünf Wünsche für eine Schamanin“, das sich formatmäßig aus kleinen Bildern zusammensetzt, erinnert an die Ikone, die an dem Aspekt “der Wirklichkeit feinen Daseins“ am meisten interessiert ist, so vor kurzem verstorbener Jerzy Nowosielski.

Die Gegenstände, die Frau Goldyn zur Erstellung ihrer Objekte verwendet, sind materielle Dinge, sie befreien sich nicht von ihrer Physikalität, wie wir es bis dahin kannten, deren Kombination schafft jedoch einen ganz neuen Sinn. Wir finden ihn irgendwo in der Mitte der zusammengeballten Elemente, die diese Kreationen bilden. Mit herausragender Kraft erscheinen sie uns mit ihrer Sinnlichkeit, Farbenpracht und Leidenschaft der Oberflächenstruktur, die in den räumlichen Umsetzungen fast zu einem erotischen Taumel wird. Genauso wie in den Gemälden, bis auf diejenigen, welche die Metasprache des Bildes berühren, ist die Farbe keine physikalische Substanz mehr, sondern wird lebendig und verwandelt sich in einen näheren und weiteren Plan, das Leuchten, Gewicht, Geheimnis, die emotionelle Spannung, Furcht, Frage, den Zweifel und die Idee, etc., etc. Gerade hier bemerke ich eine klare Fortsetzung der Tradition und ein bewusstes Schöpfen aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Im künstlerischen Schaffen von Frau Goldyn lässt sich diese Relation sehr gut dadurch erkennen, dass in ihre Werke die Elemente eingefügt werden, die aus der tiefen Analyse der Kunsttradition des letzten Jahrhunderts resultieren, jedoch in Kombination mit Ideen für deren individuelle Anwendung, was dazu führt, dass sie als Künstlerin, die auf ihre eigene und originelle Art und Weise die künstlerische Antwort auf die Fragen des 21. Jahrhunderts formuliert, betrachtet werden kann. Hat dieses expressive Schaffen mit seiner breiten Palette von künstlerischen Ausdrucksmitteln, das sich nicht nur auf die Motive zahlreicher Kunstepochen bezieht, sondern sie bisweilen sogar zitiert und dringend versucht, Gefühle, Dilemmas und Leidenschaften zum Ausdruck zu bringen, überhaupt einen Zweck? Einen Sinn?

Alicja Kępińska beschäftigte sich in einem ihrer Essays mit dem Verhältnis zwischen Kunst und Natur. Meistens stellen wir diese zwei Dinge in Opposition zueinander. Es gibt jedoch eine Eigenschaft, die sie verbindet, nämlich die Zwecklosigkeit. So ist die Kunst, nach deren Sinn wir ständig fragen und deren Sinn wir zu entdecken versuchen, ebenso wie die Natur. Goldyns Arbeiten haben eine “tierische Natur“ und ihre Präsenz ist ein Beweis für die Existenz sowohl der Kunst als auch der Natur in ihrer Zwecklosigkeit und dies wiederum ist meines Erachtens eine wichtige Aufgabe, die sie zu erfüllen haben.

Die Arbeiten von Frau Goldyn finden auf jede von ihr gestellte Frage eine andere Antwort. Und wieder eine andere. Mir scheint es, dass das natürliche Wissen in ihrer Natur liegt, auf Grund wessen sie sich der verändernden Kunstrealität samt der Veränderung der uns umgebenden Welt bewusst ist. Die Wirklichkeit in Goldyns Werken betrachtet sich unaufhörlich im Spiegel der Kunst und unterliegt der interpretatorischen Verfahren, über die eine Glasplatte verfügt.

Über die Arbeiten von Frau Goldyn könnte ich Folgendes schreiben, indem ich die Worte des Direktors des Nationalmuseums in Posen paraphrasiere, die ein Versuch der Beschreibung des künstlerischen Schaffens von einem anderen Vertreter der Transavantgarde sind: “dass (sie) es zeigen kann, dass in Bezug auf den messbaren Raum der Physik der persönliche Raum, den wir zwischen uns, Orten und Dingen erleben, primär ist und ebenfalls die semantische Umhüllung der Dinge oder die Expression deren Materie umfasst. Man wird sich darüber klar, indem die gewöhnlichsten Gegenstände aus dem ursprünglichen Kontext derer Wahrnehmung herausgelöst werden, was zugleich zu deren “Entbanalisieren“ führt und infolgedessen – zur Verblüffung lediglich wegen deren Existenz. Fantastisch ist es, was es gibt.“

In Bezug auf das am Anfang der Dissertation angeführte Motto, welches besagt, dass der Sinn der Arbeit eines Utopisten in der Ablehnung der Realität und in der Suche nach einem Ideal besteht, kommen Fragen auf. Was für ein Ideal suchen wir? Nicht nur die Doktorandin, sondern auch wir alle. Gibt es überhaupt so ein Ideal und hat es Sinn, es zu suchen? Wir wissen es doch genau, dass eine gute Kunst aus der Summe der Fehler besteht, wissenschaftlich unbewiesenen Thesen, einer Reihe falscher Entscheidungen und in der Praxis nichts dient. In diesem Sinne erfüllen die Arbeiten von Frau Goldyn alle Merkmale guter Kunst und in diesem Sinne sind sie utopisch, oder wie ich sie lieber nennen würde, sie sind dem Traum nahe.

Prof. Hans-Peter-Söder
Ph.D., Zeitforscher und Professor an der LMU- München
Resident Direktor of Wayne State University`s Junior Program of the University of Munich

Goldyn gibt uns den Wald zurück, aber es ist keine Welt von gestern. Sie zeigt uns den Wald in uns. Er ist jetzt. Wir sind in diesem Wald. Ihre Bilder und Installationen sind keine Neuinterpretationen romantischer Landschaften. Sie zeigt uns den Wald als zu entdeckendes Neuland.  Hier gibt es keine Kutschen, hier gibt es keine Räuber, aber es gibt dort Orte, die man in der Stadt nicht sehen kann, denn nur im Wald kann das Ich zu sich selbst finden.

Goldyns Waldarbeiten kamen nicht als Resultat von Parkspaziergängen zu Stande. Sie sind das Resultat eines Waldaufenthaltes, der sieben Jahre dauern sollte. Im niederbayerischen Wald fand Sie die Ruhe, um ungestört arbeiten zu können.  Die Einsamkeit des Waldes, das vollkommene Ausscheiden aus dem Tagesgeschehen, wurde zu einer Droge für Sie. Der Wald wurde zu einem utopischen Ort, einem Platz zwischen Himmel und Hölle. 

Es mag diese Verbindung von schwerer körperlicher Arbeit und leben in extremes gewesen sein , die schließlich zum Ausgangpunkt ihres neuen Schaffens wurde.

Man sieht deutlich , dass sich Goldyn von der klassischen Kunst losgesagt hat. Im Vegetativen hat sie eine neue Orientierung gefunden. In ihren Werken gibt es keinen klassische Geometrie mehr. Die Zweige, die Stacheln, das Gestrüpp, die Kakteen, all das sind die Bausteine einer neuen Welt . Sie streut uns  Erde hin, und fordert uns auf, ihr in ihre unverbrauchte Welt zu folgen. Letztendlich ist Goldyns Wald ein neuer Weltkörper. Dort hat sie ein neues Menschenbild geschaffen. Bei ihr gibt es keinen Baum der Erkenntnis, sondern nur den Wald an sich. Dort, im utopischen Raum von Goldyn , ist die Sexualität nicht mehr nur gesellschaftliche Polarität. Der Garten von Eden ist bei ihr zu einer anderen Utopie geworden. Es ist ein wilder Ort voller Licht und Dunkelheit, wo Mann und Frau unkenntlich und untrennbar und doch zur Einheit verschmolzen, gemeinsam leben.

Mit ihrem Wald bringt uns K. Goldyn eine ganz neue Topografie. Die Naturfarben schillern jetzt als psychische Farben. Hier findet man ein Rot von Leidenschaft, von innerem Erlebnis und psychischer Intensität. Begleitet wird es von Schwarztönen, wie das dunkle schwarz ihrer Erde. Die Zweige und das Gestrüpp des Waldes sind jetzt so extrem reduziert und verfremdet, dass nur noch die Stacheln der Kakteen übrig bleiben. Die vielen Kakteen sind aber nicht abstoßend, sondern ziehen uns durch ihre Farben und Formen näher an Goldyns Landschaften heran. Wie das Gestrüpp den Wald undurchdringbar macht, so schützen die Kakteen die Protagonisten in ihrer Welt. Die Frauen und Männer erinnern an Ur-Götter, an prähistorische Symbole der Kreativität und Fruchtbarkeit. Die Frauen zeigen sich uns mit ihren üppigen aufeinander gereihten Brüsten, die dann durch die Vielzahl der männlichen Phalli balanciert werden. Es ist ein Tanz der Lust zum Leben. Am Ende ist Goldyns Wald also kein düsterer Ort, sondern eine ursprünglich, mythologische Welt der Kreativität und des Ursprungs.